Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher – Teil 1

  • Erstellt von Marcos López
  • Panorama, Konferenz, Soft Skills

DOAG-Redakteur Marcos López beschäftigt sich gerne mit Nachhaltigkeit – und mit Konferenzen. Die DOAG veranstaltet im November, dem 'Konferenzherbst', gleich drei davon. Was ein Kaffeebecher damit zu tun, wird im Verlauf des dreiteiligen Textes auch verraten.

Beschäftigt man sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, dann ploppt – gleich einem Banner mit der Warnung vor Schadsoftware und der Möglichkeit zum Erwerb von Sicherheitspaketen kurz nach der Aktualisierung eines Betriebssystems – schon die erste Frage auf. Sie lautet: Was bedeutet überhaupt Nachhaltigkeit?

Wir begeben uns daraufhin in die weltweiten Tiefen des Web, um über den eigenen Tellerrand hinaus so etwas wie eine Duden-konforme Umschreibung des Begriffes zu finden und stellen fest: Es gibt sie nicht wirklich, diese eine Definition – und wenn ja, sehr viele davon. Die gefundenen Begriffserklärungen dieses Trend-, Reiz- und Zukunftswortes sind, je nach Quelle, zudem sehr unterschiedlich. 


Was Nachhaltigkeit bedeutet

Bedeutet Nachhaltigkeit, dass etwas lange oder länger als erwartet hält? Aber: Wie lange soll oder muss etwas halten, um mit dem Prädikat „nachhaltig“ ausgezeichnet zu werden? Dabei ist zu bedenken: Was für den einen lange hält, ist für manch anderen wiederum nicht lange genug. 

Hält ein Gerät schon lange, wenn es die Gewährleistungszeiträume von zwölf oder 24 Monaten offensichtlich übersteht und sogar über die extra-erkaufte Garantieverlängerung von drei oder fünf Jahren ohne Macken weiter wäscht, sendet, läuft und wirbelt? Und kann das oben beschriebene Szenario als nachhaltig bezeichnet werden, obwohl im Vorfeld des Kaufs kein bewusster ‘Entscheidungsprozess pro Nachhaltigkeit’ stattgefunden hat? Ist die korrekte Verwendung des Wortes Nachhaltigkeit also nur dann gegeben, wenn den Kauf-, Konsum-, Reise- und Entsorgungsentscheidungen eine bewusste Abwägung über das Pro und Contra vorausgegangen ist? Ein Mindset, das diese Aspekte betrachtet, durchgeht, überdenkt, um dann tatsächlich eine Entscheidung zu fällen, deren Bestand oder Nichtbestand über die eigene Existenz hinaus überprüft wird und die Konsequenzen dieser Entscheidung über die eigene Generationen hinaus bedenkt?

Ein allgemeiner Konsens lässt sich vielleicht mit diesen Gedanken erreichen: Nachhaltigkeit bedeutet, ein Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit zu schaffen. Nachhaltigkeit bedeutet ebenso, Ressourcen so zu nutzen, dass die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation erfüllt werden, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken. Vorgemacht wurde uns das über Jahrhunderte. Denn: In diversen indigenen Kulturen war dieser Gedanke – die Bedeutung der eigenen Entscheidung und ihre Auswirkungen für die Nachfahren – tief verankert und fester Bestandteil in den kulturellen Übertragungen, die Weitergabe des Wissens von Generation zu Generation.

Nachhaltigkeit umfasst logischerweise – weil sie nicht unendlich ist – den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Reduzierung von Abfall und Emissionen sowie die Förderung erneuerbarer Energien. Nachhaltigkeit bedeutet auch das Streben, ökologische, soziale und ökonomische Systeme so zu gestalten, dass sie langfristig bestehen und für alle Lebewesen ein lebenswertes Umfeld bieten.

Schaut man auf die aktuelle Weltlage mit geopolitischen Konflikten, einem Krieg vor den Toren Europas, politischer Verunsicherung, der Inflationsspirale, den weltweiten Müllproblemen und den von vielen immer noch ignorierten Klimawandel, rutscht die Bedeutung von Nachhaltigkeit aufgrund anderer, möglicherweise drängenderer Probleme in den Hintergrund. 

Dennoch: Trotz der erdrückenden Erkenntnis, dass es offensichtlich an jeder Ecke dieses Planeten „fünf vor zwölf“ zu sein scheint, kann man einiges tun, um Nachhaltigkeit im Alltag zu verankern – durch viele kleine Maßnahmen, die nicht viel Aufwand bedürfen. Hier ist eine kurze Liste mit Anregungen: 

  1. Wasser sparen: Den Wasserhahn beim Zähneputzen schließen und ab und an mal kürzer duschen.
     
  2. Energie sparen: Geräte ausschalten statt auf Standby lassen, LED-Lampen verwenden und Stromsparprogramme (oder z. B. Kurprogramme in den Waschmaschinen nutzen).
     
  3. Müll reduzieren: Auf Einwegprodukte und nicht notwenige Verpackungen verzichten, Mehrwegflaschen und -taschen verwenden und konsequent recyceln.
     
  4. Bewusster konsumieren: Regionale und saisonale Lebensmittel kaufen, weniger Fleisch essen und auf Bioprodukte achten.
     
  5. Nachhaltige Fortbewegung: Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder zu Fuß gehen statt Auto fahren.
     
  6. Papier sparen: Digital arbeiten, doppelseitig drucken und unnötige Ausdrucke vermeiden.
     
  7. Kleidung bewusst kaufen: Secondhand-Mode wählen, langlebige Kleidungsstücke kaufen und Fast Fashion meiden.

    Ab hier können die Lesenden gegebenenfalls eigene Ideen formulieren und diese in einer E-Mail an redaktion@~@doag.org senden. Die Liste wird dann im Nachgang erweitert, und diese Vorschläge erreichten uns:
     
  8. Unansehnliches Obst und Gemüse kaufen: Was spricht gegen kleine Äpfel und krumme Gurken? Das unansehnliche Obst und Gemüse wird von vielen Kunden gemieden und endet oft im Nachgang als Tierfutter oder wird sogar weggeworfen. 

  9. Zimmertemperatur an sehr kalten Tagen etwas senken: Senkt man speziell ansehr wenigen (sehr kalten) Tagen im Jahr die Temperatur etwas, lassen sich erstaunlich viel Heizkosten und damit Ressourcen sparen. 

  10. Automatisches Suchen im Browser ausschalten: Aktuell sind die meisten Browser so konfiguriert, dass sie suchen, wenn die Eingabe in der Adresszeile als Webadresse nicht zu finden ist. Dadurch werden sinnlosMillionen Tonnen CO2 verursacht. Das Suchen in der Suchleiste – nicht in der Adressleiste! – hilft mehr, als man denken sollte.
     

Die Vorschläge 8 - 10 wurden am 11.12.2024 von Arne Hattendorf eingereicht.
 

Ökostrom, Suchanfragen und gebügelte Hemden

Diese Gedanken, was Nachhaltigkeit bedeutet und was man dafür alles tun oder lassen kann, ließen sich bestimmt auf 753 digitalen Word-Seiten weiterführen. Ob wir diese dann ausdrucken und wenn ja, auf welchem Papier, oder ob wir sie lieber in die Cloud packen, wo wir sie 365 Tage pro Jahr bis in alle Zeiten verfügbar haben, dafür aber auch in irgendeinem Server-Park dieser Welt rund um die Uhr Strom für die Verfügbarkeit verbraucht wird, damit wir darauf zugreifen können, wann immer uns der Sinn danach steht, das steht im wahrsten Sinne des Wortes ‘auf einem anderen Blatt’. 

Im besten Falle ist der Strom ausschließlich grün, also Ökostrom, so wie bei allen Apple-Rechenzentren seit 2014. Dennoch bleibt der leise Zweifel, dass in diesen Tagen nichts davon wirklich ein Segen ist und man nur das kleinere Übel wählt, sozusagen ‘das Richtige im Falschen’ tut. Denn so oder so drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Wieviel digitale Datensammlung und Verfügbarkeit ist sinnvoll, wenn man sich die notwendigerweise benötigten Energiemengen und Ressourcen ins Gewissen ruft? Allein 20 Suchanfragen über die etablierten Suchmaschinen verbrauchen in etwa genauso viel Strom, wie das Bügeln eines gewöhnlichen Hemdes. Dabei sind die Suchanfragen über das Handy sparsamer als die auf alten Computern. Das sind aber nur Peanuts im Vergleich zum Betreiben von Kryptowährungen: 

“Der CO₂-Fußabdruck von Bitcoin entspricht demnach derzeit dem der gesamten Schweiz, der Stromverbrauch dem von Kolumbien. Beim elektronischen Abfall kommt die Menge zustande, die der Menge vom in den Niederlanden entsorgtem IT-Equipment entspricht. Für eine einzige Transaktion fällt so viel Strom an, dass ein Durchschnitts-US-Haushalt 26 Tage damit auskommen würde. In CO₂ gemessen könnte man auch über 900.000 VISA-Transaktionen durchführen oder über 70.000 Stunden, also fast 8 Jahre durchgängig YouTube schauen.” 

Quelle: elektronikpraxis.de, abgerufen am 6. November 2024 um 15:07 Uhr. 

 


 

Anmerkung: Wie der obige Text mit Kaffeebechern in Zusammenhang steht, erfahrt ihr im Verlauf der dreiteiligen Serie. Teil 2 von “Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher” erscheint am Freitag, 15. November 2024. In Teil 2 geht es unter anderem um SUVs, Zigaretten und Meeresschildkröten.


Der Konferenzherbst der DOAG – drei Konferenzen, eine Location: Nürnberg Convention Center (NCC) 

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