Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher – Teil 3

  • Erstellt von Marcos López
  • Panorama, Konferenz, Soft Skills

DOAG-Redakteur Marcos López beschäftigt sich gerne mit Nachhaltigkeit – und mit Konferenzen. Die DOAG veranstaltet im November, dem 'Konferenzherbst', gleich drei davon. Was ein Kaffeebecher damit zu tun hat, wird im Verlauf des dritten Teils endlich verraten.

 

Anmerkung: Dem dritten Teil von “Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher” ist Teil 1 am 11. November und Teil 2 am 15. November 2024 vorausgegangen. 

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Konferenzen und die Frage: Wie reise ich an?

Und nun – endlich – kriegen wir hier die Kurve, um zu fragen, wie wir im Umfeld einer Konferenz das Thema Nachhaltigkeit aufgreifen und vielleicht einiges davon umsetzen können. Reisen, Ernährung, Verbrauch und Müll – das sind die wesentlichen Themen, die wie ein Magnet an diesem Begriff haften. Fragen, die man sich im Kontext von Konferenzen also stellen kann, könnten so aussehen: Muss ich unbedingt zum Event fliegen, wo doch erwiesenermaßen Fliegen von allen Mobilitätslösungen die klimaschädlichste Variante ist? Nein, nicht unbedingt. Zugegebenermaßen ist eine Reise mit der Bahn nicht so schnell und bequem wie ein Flug. Aber sie ist deutlich umweltfreundlicher und ein Beispiel dafür, dass es Alternativen gibt: Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wird zu 100% mit Ökostrom betrieben. Und ganz ehrlich: Gleicht die Kompensation mit Summe X für die ‘verschuldeten’ Emissionswerte beim Fliegen nicht einem Ablasshandel der etablierten Kirchen im Mittelalter, der zwar durch Geld das Gewissen beruhigte, die ‘Schuld’ aber nicht ungeschehen machte? Wenn Kraft und Zeit es zulassen ist eine Anreise mit der Bahn also eine vorbildliche Entscheidung. Und selbst der Anreise mit dem Auto könnte durchaus einiges abgerungen werden, wenn dadurch auf das Fliegen verzichtet wird. Vorausgesetzt die Auslastung ist gegeben, das heißt, in einem Pkw für vier Personen auch vier Personen anreisen und nicht vier Personen mit ihren privaten Automobilen anrücken. Die Wiederentdeckung von Fahrgemeinschaften wäre also eine Option – wie in Studentenzeiten. Und wenn ein solcher ‘Mitnehm-Plan’ nicht ganz aufgeht, kann man oft noch in letzter Sekunde auf Mitfahrgelegenheitsportalen wenigstens für Teilstrecken Mitfahrerinnen und Mitfahrer finden. Die Fahrtkosten lassen sich durch die Beteiligung der Mitfahrenden erheblich reduzieren, von 100 % im besten Falle auf 25 % , wenn ein PKW mit vier Teilnehmenden vom Startpunkt bis zum Zielort anreist.


Kaffeebecher & Co.

Seit einiger Zeit habe ich einen geschätzten Begleiter. Er ist klein, aber fein, leicht und robust, und er bereitet mir eine Menge Freude. Weil ich bei seiner Nutzung einen fast kindlichen Spaß habe, eine in meinem digitalen Tagebuch begonnene kleine Strichliste unter der Rubrik “Den Müll, den ich vermieden habe” fortzuführen. Der kleine Begleiter heißt – Überraschung! – Kaffeebecher, und die Liste bereitet mir täglichen Spaß. Da steht: Kaffeebecher 2024 = 126. Das heißt, bis einschließlich Oktober dieses Jahres sind 126 Kaffeebecher aus Plastik oder Pappe dort geblieben, wo ich sie am liebsten sehe, nämlich im Regal der Bäckereien und Cafés.

Nebenbei muss ich mir nicht ständig Mikropartikel aus Plastik, Pappe oder Ewigkeitschemikalien reinziehen, wenn das heiße Getränk an der Theke in den To-go-Wegwerfbecher wandert und ich daraus trinke. Vielleicht wäre also ein eigener Kaffeepot mit verschließbarem Deckel für jeden Konferenzbesucher ein gutes Gadget und man könnte sicher interessante Werbepartner dafür finden. Aber vorerst ist Eigenverantwortung gefragt, ergo wäre es wunderbar, wenn durch das Mitbringen der eigenen Kaffee- oder Trinkbecher zumindest die Option bestünde, den Müll in diesem Segment deutlich zu senken. Das betrifft natürlich eher die An- und Abreise, die Hotspots namens Bahnhöfe und Tankstellen, denn auf den Konferenzen selbst werden die Heißgetränke meist in Porzellan serviert. Milchmädchenrechnung: Wenn sich von 1000 Besuchern die Hälfte bei ihrer An- und Abreise zur Konferenz ihren ersten Kaffee in den eigenen Becher füllen lassen, dann sind 1000 Becher weniger Müll hinterlassen worden.

Wenn auch manche Läden die Annahme von privaten Trinkbechern für den “Coffee-to-go” verweigern, grundsätzlich ist es möglich und zulässig, wie eine Broschüre vom Lebensmittelverband Deutschland verdeutlicht: 

“Angebote zur (Wieder-)Befüllung mitgebrachter, kundeneigener Mehrwegbecher mit Heißgetränken zur Mitnahme ("Coffee to go") sind in Betriebsstätten der Gastronomie, Systemgastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und im Einzelhandel grundsätzlich möglich, sofern die jeweils verantwortlichen Lebensmittelunternehmer sich freiwillig hierfür entscheiden.” 

Quelle: lebensmittelverband.de, abgerufen am 11. November 2024 um 10:23 Uhr. 

Vielleicht kann man in diesem Zusammenhang auch über die vielen Plastikflaschen nachdenken, die sich bei so einer Reise möglicherweise ansammeln, und ob es nicht eine Möglichkeit ist, sich eine richtig schicke und robuste Trinkflasche zuzulegen – am besten aus Glas: nachhaltig, recyclebar und sicherlich gesünder. Auf der Anreise ist sie mindestens schon mal zu Hause gefüllt worden, bei der Abreise vielleicht auf der Konferenz oder im Hotel. Wenn das nur 100 der 1000 Konferenzbesucher tun, anstatt gleich beim Anreisen oder Abreisen am Bahnhof die erste 0,5-Liter-Flasche für vier Euro zu erstehen, dann hätten wir zu den 1000 Einwegbechern von oben gleich noch 200 Plastikflaschen vermieden. 

So lässt sich diese Aufzählung ständig weitertreiben und schauen, was sinnvoll ist, was man umsetzen kann, was sich realisieren lässt. Ohne Panikmache, ohne Alarmismus, aber mit einem Bewusstsein, dass wir alle einen Beitrag leisten können, um den zukünftigen Müll nachhaltig reduzieren zu können. Der Weg dahin ist ein Prozess. Aber es ist gut damit zu starten. Denn: Die nächste Konferenz kommt ganz bestimmt.


Fazit: Das kann getan werden, um auf Konferenzen nachhaltig zu agieren

  • Anreise mit der Deutschen Bahn
  • Bildung von Fahrgemeinschaften bei Anreise mit dem Auto
  • Über Mitfahrzentralen auch Teilstrecken anbieten
  • Eigene Kaffeebecher, Trinkflaschen, Snackboxen mitbringen
  • Eigene Stoffbeutel für den After-hour-Einkauf an der Tanke, im Späti, auf dem Bahnhof mitbringen
  • Eigene Kugelschreiber und Notizbücher mitbringen
  • Handtücher im Hotel mehrmals nutzen
  • Mit anderen Hotelgästen und Konferenzteilnehmern ein Taxi zur Location/zum Hotel teilen
  • Mit den anderen Teilnehmern über “Nachhaltigkeit auf Konferenzen” plaudern
  • Überlegen, ob die umsonst dargebotenen Gadgets wirklich benötigt werden
  • Müll trennen: Wertstoffe, Glas, Papier, Restmüll
  • Zum Einschlafen nach einem spannenden Konferenztag ein Buch statt Streaming

 

Epilog

Während dieser Artikel geschrieben wurde, hätten allein durch die Suchanfragen zu bestimmten Zahlen und Fakten und dem damit einhergehenden Verbrauch mindestens zehn Hemden gebügelt werden können (siehe “Nachhaltigkeit und Konferenzen oder: Und jedem seinen Kaffeebecher”, Teil 1). Das ließ sich nicht vermeiden, aber dieses Bild, wieviel Energie dafür verbraucht wurde, hält lange an. Begleitet von reichlich Kaffee im Home-Office und auf den Wegen im Park, um die Gedanken und Ideen für diesen Artikel zu gliedern, konnte aber mit dem besagten Kaffeebecher im Handgepäck der Verbrauch von mindestens vier Wegwerfbechern, mehreren Papiertüten durch das Mitbringen von Boxen sowie von diversen Plastikflaschen à 0,5 Liter stilles Wasser vermieden werden. Es klingt nicht überwältigend, aber es ist ein Anfang – und jede spannende Reise beginnt ja bekanntlich immer mit dem ersten Schritt – oder dem eigenen Kaffeebecher…

 




Der Konferenzherbst der DOAG – drei Konferenzen, eine Location: Nürnberg Convention Center (NCC) 

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