Interview mit Matthias Schulz: Oracle-DB-Development im Wandel der Zeit

  • Erstellt von Christian Schwitalla
  • Oracle, Konferenz + Ausstellung, Datenbank

Christian Schwitalla, Stv. Community-Leiter der DOAG Development Community, sprach mit Matthias Schulz von Schulz IT Services über Oracle-Datenbankentwicklung, Performance, KI, Performance-Sünden und seine Vortragshighlights auf der Oracle-Anwenderkonferenz.

Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Matthias Schulz, ich bin Geschäftsführer der Schulz IT Services GmbH in Nürnberg und ich berate Firmen als unabhängiger Experte. Meine Schwerpunkte liegen in der Oracle-Datenbankentwicklung, der Data Vault-Modellierung sowie der Programmierung und dem Performance-Tuning komplexer SQL- und PL/SQL-Umgebungen. Zusätzlich halte ich Vorträge auf Konferenzen und bin seit zehn Jahren Dozent für Datenbanken (Informatik) an der DHBW Heidenheim.

Auf der DOAG 2026 Konferenz + Ausstellung vom 17. bis 19. November im NCC Ost in Nürnberg bin ich mit dem spannenden Vortrag Superschnell mit Oracle SQL – eine Abfrage gegen 6 Spezial-Systeme vertreten, bei dem ich zeige, was mit modernem SQL alles möglich ist und warum eine einzige Oracle-Datenbank sechs spezialisierte Systeme schlägt.

Wie lange beschäftigst du dich schon mit Oracle-Programmierung?

Seit über 25 Jahren, beginnend mit Oracle Database 8i bis zur aktuellen Oracle AI Database 26ai. Diese lange Reise durch viele Generationen der Oracle-Datenbank und diverse technologische Trends gibt mir eine gute Perspektive darauf, welche Performance-Prinzipien zeitlos sind und welche sich durch neue Features wie KI und JSON Relational Duality Views grundlegend verändern werden. Die Vorträge auf der DOAG Konferenz + Ausstellung haben mir immer gute Einblicke geliefert, wohin die Reise weitergeht. Ich freue mich dieses Jahr auf den Vortrag Document Patterns und Duality Views: Modellierung ohne Glaubenskrieg von Hermann Baer und Beda Hammerschmidt und auf viele weitere Vorträge.

Welche Rolle spielen heute Performance-Aspekte?

Performance ist der Schlüssel zur Zukunft. Der Spagat zwischen exponentiell wachsenden Datenmengen bei gleichzeitig steigenden Erwartungen an Antwortzeiten wird immer mehr zur Sollbruchstelle für die Anforderungen der Unternehmen. Dieser Trend wird durch KI-Anwendungen, die in Echtzeit auf Datenbanken zugreifen, weiter forciert. Dass Performance ein Kernthema der Community ist, zeigt sich auch im Programm der DOAG 2026: Performance ist als eigener Themenstream "Performance [Optimize & Tune]" prominent vertreten.

Welche Ratschläge würdest du Personen geben, die in diesen Bereich einsteigen möchten?

Wer in die Datenbankprogrammierung und speziell ins Performance-Tuning einsteigen möchte, sollte sich intensiv mit SQL und den Grundlagen des Optimizers beschäftigen. Das Verständnis für das Zusammenspiel von SQL, Statistiken, Ausführungsplänen und Datenbankdesign (Tabellen, Constraints, Indexes, Partitions etc.) ist essentiell. Tools und zunehmend KI-Tools können helfen, ersetzen aber nicht das tiefe Verständnis, welches für das Erreichen eines performanten Gesamtsystems notwendig ist. 

Praktische Erfahrungen sind daher unersetzlich: eigene Testumgebungen aufsetzen, SQL-Statements schreiben, Execution Plans verstehen und aus Fehlern lernen. Oracle bietet mit FreeSQL (https://freesql.com) eine kostenlose und sofort nutzbare Lernumgebung, die ich seit Jahren für meine Vorlesung einsetze. Mit Oracle Cloud Free Tier (https://www.oracle.com/cloud/free/) erhält man sogar mehrere komplette Datenbanken dauerhaft und kostenlos in der Cloud. Um weiterzukommen, ist der Community-Austausch unverzichtbar. Konferenzen wie die DOAG 2026 bieten mit ihrem breiten Vortragsangebot genau die Praxisnähe und den Erfahrungsaustausch, der online und in Büchern oft fehlt – von Einsteiger-Sessions bis zu tiefen Einblicken erfahrener Experten und den neuesten Informationen direkt von Oracle selbst.

Für Einsteiger und Fortgeschrittene im Thema Performance würde ich den Vortrag 007 Mythen über SQL-Performance von Dani Schnider empfehlen.

Welche Rolle spielt die KI?

KI verändert das Performance-Tuning fundamental, sowohl als Werkzeug als auch als neue Herausforderung. KI-Tools helfen bei Analyse, Programmierung, Fehlersuche und Tuning, können aber Expertenwissen und das Verständnis für den Gesamtkontext nicht ersetzen. Um gut zu funktionieren, braucht die KI ein perfektes Datenbank-Modell, kann aber genau das nicht selbst erstellen. Annotationen von Datenbankobjekten, wie Tabellen, Spalten und Views, helfen der KI zu verstehen, was die einzelnen Elemente bedeuten und welche Informationen sie enthalten.

Von Fachleuten erstellte Views sorgen dafür, dass die KI immer die richtigen Ergebnisse erhält und alle technischen, fachlichen und rechtlichen Erfordernisse erfüllt sind – etwas, das keine KI allein gewährleisten kann. Und last but not least ist es immens wichtig, der KI harte Schranken ("Hard Rails") durch minimale Zugriffsrechte zu geben, denn wer möchte schon in der nächsten großen Schlagzeile "KI-Kontrolle hat versagt" stehen?

RAG und AI Vector Search bringen völlig neue Performance-Anforderungen mit sich, etwa wie Vektorsuchen effizient mit klassischen relationalen Abfragen kombiniert werden – Thema unter anderem im Vortrag Der Oracle Optimizer und Vektoren von Clemens Bleile. KI ist Gegenstand und zunehmend auch Instrument der Performance-Optimierung, etwa bei der automatisierten Analyse von Ausführungsplänen.

Welche Themen sind von zentraler Bedeutung bei Oracle-Performance?

Zentrale Themen wie Datenbankdesign, Optimizer-Statistiken, Index-Strategien und Ausführungspläne bleiben unverändert von großer Wichtigkeit. Ohne aktuelle und repräsentative Statistiken trifft der Optimizer schlicht falsche Entscheidungen und ohne ein gutes Datenbankdesign erreicht man weder eine gute Performance noch eine gute Unterstützung durch und für die KI. Hinzu kommen heute neue Dimensionen: In-Memory-Technologien zur Beschleunigung analytischer Workloads, Partitionierungsstrategien für wachsende Datenmengen und die Performance von AI Vector Search bei hybriden Abfragen.

In der Cloud, egal ob bei Oracle, Amazon, Google oder Microsoft, laufen Oracle-Datenbanken meist auf Oracle-Exadata-Servern. Dies sind fantastische hochperformante Maschinen, die jedoch vieles, was man über Performance gelernt hat, auf den Kopf stellen. Hier ein Beispiel: Wenn nach der Migration der Datenbank in die Cloud ein "Full Scan" auf einmal dramatisch schneller ist als der Weg über den Index, merkt man, dass auf einer Exadata einiges anders ist als man es gewohnt ist. Werden die Exadata-Funktionen vollständig genutzt, sind Performanceverbesserungen um das Zehn- bis Hundertfache durchaus möglich!

Auf der DOAG 2026 spiegelt sich diese Bandbreite in Sessions wie Analytics beschleunigen mit Oracle Database In-Memory von Markus Kißling und Tirthankar Lahiri oder Verteilte Freude = mehrfache Freunde – Oracle Partitioning from 97 until 2day von Peter van Garsel wider.

Nenne uns bitte drei Performance-Sünden, die heute immer noch gemacht werden.

Erstens: zu wenig SQL! Der wichtigste Grundsatz für maximale Performance lautet: "Verarbeite alles, was möglich ist, in einem einzigen SQL-Befehl!". Und obwohl SQL, insbesondere Oracle SQL, immer mächtiger und leistungsfähiger wird, wird es immer weniger und immer rudimentärer eingesetzt. Ich werde dann oft kurz vor einem totalen Ausfall um Hilfe gebeten, wie in einem Fall, in dem ein wichtiger täglicher Prozess mehrere Tage lief. Als ich fertig war, hat der Prozess dann statt Millionen einzelner kleiner SQL-Statements nur noch 10 große und vollständige Befehle an die Datenbank geschickt. Die Laufzeit beträgt jetzt zwei Minuten – 2.000-mal schneller! – und der Prozess läuft jetzt jede Stunde.

Zweitens: unzureichende und altmodische Datenbankmodelle. Was das Datenmodell nicht hergibt, lässt sich nicht reparieren. Man kann einen alten VW Käfer etwas tunen, aber ein Formel-1-Rennen gewinnt man nur mit einem speziell dafür entwickelten Rennwagen. Moderne und flexible Datenmodelle ermöglichen flexible Modelländerungen, performante Datenverarbeitung, unterstützen die KI und sorgen dafür, dass die Datenbank vom Bremsklotz zum Antreiber der agilen Entwicklung wird.

Drittens: veraltete, fehlende oder zur falschen Zeit erstellte Optimizer-Statistiken. Ohne korrekte und zum richtigen Zeitpunkt erstellte Statistiken trifft der Optimizer seine Entscheidungen auf Basis falscher Annahmen und erstellt suboptimale Ausführungspläne. Abfragen, die bei korrekten Statistiken in Sekunden fertig sind, laufen dann viele Stunden und die Kosten und der Ärger steigen. Der Vortrag "Das Einmaleins für effiziente Ausführungspläne" von Randolf Eberle-Geist liefert hierzu mehr.

Nenne uns bitte ein paar Performance-Vorträge aus dem DOAG K+A 2026 Performance-Day, die du besuchen wirst.

Ich freue mich besonders auf folgende Sessions, die im Programm der DOAG 2026 Konferenz + Ausstellung gelistet sind:

- 007 Mythen über SQL-Performance von Dani Schnider

- What's new in the third edition of Troubleshooting Oracle Performance? von Christian Antognini

- What's New in the Optimizer for Oracle AI Database 26ai? von Nigel Bayliss

- Analytics beschleunigen mit Oracle Database In-Memory von Markus Kißling und Tirthankar Lahiri

- Das Einmaleins für effiziente Ausführungspläne von Randolf Eberle-Geist

Diese Auswahl zeigt, wie lebendig das Thema Performance auch 2026 in der Community ist – von zeitlosen Grundlagen bis zu den neuesten Optimizer-Innovationen für KI-Workloads. Ich kann jedem, der sich für Oracle-Performance interessiert, die DOAG 2026 nur ans Herz legen.

Wir danken dir für deine Antworten.

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Ihr seid interessiert an Oracle-Themen? Dann freut euch auf die große Oracle Anwenderkonferenz im November in Nürnberg. Dort findet ihr rund 20 Sessions, die sich mit Performance beschäftigen.

Das Event

Die DOAG 2026 Konferenz + Ausstellung ist die führende Konferenz mit Fokus auf Datenbank-Technologien im deutschsprachigen Raum. Sie findet vom 17. bis 19. November im Nürnberg Convention Center (NCC) statt.

Von Dienstag bis Donnerstag bietet das Event hochkarätige Sessions in den Themenbereichen Cloud [Deploy & Build], Database/Operations [Run & Operate], Performance [Optimize & Tune], Security [Protect & Secure], AI and Machine Learning [Extend & Integrate], Coding [Develop & Code], Softskills [NonTec].

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich zudem auf ein umfangreiches und unterhaltsames Rahmenprogramm – inklusive Abendevent und Community-Aktivitäten – mit viel Gelegenheit zum Networking freuen.

Achtung: Tickets zum attraktiven Frühbucherpreis gibt es nur noch bis zum 29. September!

Konferenz-Artwork mit Bild von Matthias Schulz